DER AUTOMATISIERTE WELTHANDEL

Der automatisierte Welthandel
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Automatisierung steht in vielen Unternehmen ganz oben auf der Agenda – als Zukunftsthema. In einigen Branchen ist sie jedoch längst Alltag. Zum Beispiel in den Container-Terminals. Wir haben in Hamburg-Altenwerder einen der Modernsten der Welt besucht.

Von oben sieht der Betrieb hier im Container-Terminal Altenwerder fast aus wie eine Computersimulation: Wie sich scheinbar von Geisterhand Container und Kräne bewegen, sich riesige Schiffe leeren und wieder füllen. Dazwischen fahren Dutzende Transportfahrzeuge, automatisch und ohne Fahrer, und bringen die Container vom Kai zu ihrem Bestimmungsort im Terminal.

Für die globale Warenwirtschaft und Exportnationen wie Deutschland sind Knotenpunkte wie der Hamburger Hafen, in dem der Container-Terminal Altenwerder liegt, von herausragender Bedeutung. Alleine im Hamburger Hafen gingen gut zwei Fünftel der Seefracht in Deutschland über die Kaimauer. Auch das zentrale Logistiklager von TA Triumph-Adler liegt in Sichtweite des Container-Terminals Altenwerder.

Die Besonderheit am Container-Terminal Altenwerder ist: Fast alle Arbeitsschritte beim Güterumschlag sind automatisiert. Insgesamt 84 automatische Transportfahrzeuge (AGV) des Herstellers „Terex Port Solutions“ fahren die Container in das Lager, mehrere computergesteuerte Kräne stapeln die Container so, dass sie optimal weitertransportiert werden können.

Eines der Erfolgsrezepte der Anlage sind neben der ausgefeilten Computer- und Software-Steuerung auch die fast 20.000 Transponder, die auf den Flächen installiert sind, die die AGVs nutzen. Sie sorgen dafür, dass die automatischen Transporte immer den richtigen Weg nehmen und jederzeit zu orten sind. Die meisten AGVs betreibt die HHLA bisher mit dieselelektrischem Antrieb, seit einiger Zeit fahren allerdings auch rein elektrische Fahrzeuge mit Batterien im Probebetrieb. Das Terminal nutzt ausschließlich Ökostrom, die batteriebetriebenen AGVs sind also besonders nachhaltig und gleichzeitig wirtschaftlich.

„Wir haben echtes Neuland betreten, als wir entschieden haben, auf die Automatisierung der Prozesskette von der Containerbrücke bis ins Lager zu setzen. Das war für uns die beste Möglichkeit, auf dem beschränkten Platz die größtmögliche Produktivität zu erreichen“, sagt Gerlinde John, Leiterin der Terminalentwicklung beim Container-Terminal Altenwerder.

Inzwischen setzen auch andere große Häfen auf einen so hohen Automatisierungsgrad und orientieren sich dabei an Altenwerder. „Der Container als standardisierte Kiste bietet sich dafür geradezu an“, so John weiter. Auch die Zusammenarbeit mit dem Zoll, mit der Deutschen Bahn und anderen Bahnunternehmen läuft bereits seit der Eröffnung des Terminals im Jahr 2002 komplett digital. Anders wären die vielen Daten und Dokumente nicht zu beherrschen.

Die mehr als 600 Mitarbeiter des Terminals arbeiten vor allem dort, wo es um Intelligenz, Flexibilität und Fingerspitzengefühl geht: „Unsere Anforderungen ändern sich ständig. Schiffe können sich immer verspäten, manchmal mehrere Tage. Oder es ist mehr Ladung auf dem Schiff als angekündigt. Dann müssen wir hier komplett umplanen und dafür brauchen wir rund um die Uhr Spezialisten“, sagt Jörg Gregor, der in Altenwerder für die Betriebssteuerung und den Leitstand zuständig ist. Denn selbst an einer fast vollautomatischen Anlage sind Menschen unverzichtbar, wenn es auf Details ankommt.