VERTRAUEN AN DER KETTE

Vertrauen an der Kette
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Die Blockchain-Technologie könnte die gesamte Wirtschaft umfassend verändern – aber viele Fragen sind bisher noch unbeantwortet

Alle Welt redet von Bitcoin, der virtuellen Währung – doch eigentlich geht es um viel mehr: Das Stichwort, das zurzeit die Finanzbranche, aber auch viele andere Branchen elektrisiert: Blockchain. Sie ist das technische Fundament, auf dem das Zahlungsmittel als Gebäude fußt.

Es ist die logische Fortsetzung der Idee, die dem Internet zugrunde liegt: dezentral und Peer-to-Peer, und zwar hinsichtlich der Verwaltung von Daten. Nicht „ein Rechner verwaltet eine Information“, sondern „ein unendlich großes Netzwerk verwaltet unendlich viele Duplikate dieser Information“. Weitere Daten können in identischer Reihenfolge angehängt werden. Diese Informationsblöcke ergeben eine Kette (englisch: „chain“) – die Blockchain.

Blockchain ist also eine dezentrale Datenbank, die in zahllosen Kopien auf einer Vielzahl von Rechnern existiert. Da diese Datenketten obendrein noch verschlüsselt sind, kann dort alles abgelegt werden, was geschützt werden muss: Geld, Wertpapiere, Immobilientitel oder auch geistiges Eigentum. Die Technologie löst ein Problem, das gerade in der weitgehenden Anonymität des Internets besonders präsent ist: Vertrauen gegenüber Unbekannten schaffen.

Denn damit lassen sich Transaktionen verifizieren, ohne dass die Handelspartner einander kennen und ohne dass Dritte beteiligt sind – komplexe Geschäfte laufen so schnell, günstig und unkompliziert ab wie der Wocheneinkauf. Manipulationen werden durch den Abgleich aller Dokumentationen innerhalb sämtlicher Ketten-Duplikate sofort entlarvt.

Blockchain könnte auch für mehr Chancengleichheit sorgen: Millionen Menschen weltweit können bisher am Finanzwesen nicht teilnehmen, weil es ihnen an Reputation mangelt, oft fehlt zum Beispiel ein Pass. Mit Blockchain könnten sie ihre Integrität leicht nachweisen, weil jede Transaktion jedes Teilnehmers aufgezeichnet wird und nicht mehr gelöscht werden kann. Die vorherige Prüfung durch Banken oder Behörden wird damit überflüssig. Das bedeutet: Blockchain kommt weitgehend ohne Vermittler und Autoritäten aus.

Es gibt bereits zahlreiche Anwendungsfälle: So hat die Regierung von Honduras den Entwickler Factom beauftragt, die Grundbücher in dem mittelamerikanischen Staat mit einer Blockchain zu verknüpfen. Dann sind willkürliche Grenzverschiebungen korrupter Beamter, im bitterarmen Honduras ein großes Problem, nicht mehr ohne Weiteres möglich.

Doch wie sicher ist die dezentrale Datenwelt? Nach heutigem Verständnis kann ein System auf Basis von Blockchains nicht geknackt werden. Doch was, wenn sich auch Kriminelle dieser Technologie bedienen? Ein Verfahren, das ohne Autoritäten auskommt, scheint wie geschaffen für Missbrauch. Bisher gibt es auf diese Herausforderung keine Reaktion des Gesetzgebers, von Regulierung keine Spur.

Kriminalität dagegen gibt es bereits: Im Sommer 2016 knackten Hacker den Code des virtuellen Investors „The DAO“ und stahlen 3,6 Millionen Ether (65 Millionen Euro), eine virtuelle Währung wie Bitcoin. The DAO konnte die Beute zwar vom Hauptblock abspalten und so unbrauchbar machen – doch das war eine Regelverletzung und brachte ein neues Problem: Das Vertrauen in die Währung erhielt einen empfindlichen Dämpfer.