SERIE: E-HEALTH AUF EINEN BLICK

#1: Was ist eigentlich E-Health?
#Effizienz # E-Health #Wirtschaft #Digitalisierung

E-Health ist ein großes Thema, das nicht nur Patienten, sondern auch Krankenhäuser, Ärzte, Labore, Softwareentwickler und nicht zuletzt den Gesetzgeber umtreibt. Es geht dabei um digitale Informations- und Kommunikationsstrategien im Gesundheitsbereich. Doch was ist damit eigentlich genau gemeint? Im ersten Teil unserer fünfteiligen Serie schaffen wir zunächst einen Überblick und erklären die Grundlagen. Im Zwei-Wochen-Rhythmus widmen wir uns mit dieser Serie dann noch den Anwendungsbereichen, der Telemedizin sowie den Chancen und Risiken.

Vereinfacht gesprochen geht es beim Thema E-Health um das Aufeinandertreffen von Medizin und Internet. Das übergreifende Ziel besteht heute darin, die Qualität der Gesundheitsvorsorge zu verbessern. Übersetzt steht E-Health für auf elektronischer Datenverarbeitung basierende Gesundheit und ist ein Sammelbegriff für den Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen. Dazu gehören alle Hilfsmittel und Dienstleistungen, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zum Einsatz kommen, die der Vorbeugung, Diagnose, Behandlung und Verwaltung dienen.

Im Zuge der Digitalisierung haben sich seit der Jahrtausendwende eine Vielzahl weiterer IKT-gestützter Anwendungen dazugesellt, wie zum Beispiel die elektronische Gesundheitskarte, verschiedene Telemedizindienste und Online-Apotheken.

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Ursprünge & Entwicklung  

Laut der Fachzeitschrift für Informationstechnik „eGovernment Computing“, die über digitale Informationsverarbeitung im Public Sector informiert, wurde der Begriff E-Health erstmals im Jahr 1997 in Studien von Unternehmensberatungen und in Wirtschaftsmagazinen erwähnt. In der Zeit um die Jahrtausendwende wurde er auch in medizinischen Fachzeitschriften zunehmend aufgegriffen. „Den Gegenstand, den der Begriff E-Health beschreibt, gibt es allerdings schon länger, denn schon seit 1991 fanden internetbasierte medizinische Handhabungen ihre Anwendung. Zuvor war bereits in den 1970er-Jahren versucht worden, die systematische Befragung von Patienten computergestützt zu erheben“, heißt es dort weiter. 

Ein Überblick über die wichtigsten Punkte der bisherigen Entwicklung: 

2004: Das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) beschreibt, dass bis spätestens zum 1. Januar 2006 die Erweiterung der Krankenversicherungskarte zu einer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) erfolgen soll.  

2005: Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, des elektronischen Rezeptes und der elektronischen Patientenakte erfordert eine Informations-, Kommunikations- und Sicherheitsinfrastruktur. Deshalb wird 2005 die Gesellschaft für Telematik (gematik) gegründet, die gemäß gesetzlicher Vorgaben die Einführung der eGK sowie den Aufbau einer sogenannten Telematik-Infrastruktur (TI) in Deutschland umsetzen soll.  

2016: Zu Beginn dieses Jahres ist das E-Health-Gesetz in Kraft getreten. Die Bundesregierung will damit die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen vorantreiben und dadurch die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung verbessern. Telemedizinische Leistungen sollen erweitert und mit Zuschlägen gefördert werden können. Das Gesetz beinhaltet zudem konkrete Fristen und Sanktionen für den Fall des Nichteinhaltens. Bis Ende 2018 sollen Arztpraxen und Krankenhäuser flächendeckend an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein.

2018: Das E-Health-Gesetz soll nun um einen zweiten Teil ergänzt werden. Zentrale Punkte sind die elektronische Patientenakte sowie eine Kostenerstattung für die Einrichtung der Telematik-Infrastruktur. Demnach sollen in der neuen Legislaturperiode die digitale Patientenakte und das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) auf breiter Basis eingeführt werden. Das hat Lutz Stroppe, beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), im Januar angekündigt. Wichtig sei auch, dass eine Lösung bereitstehe, um die digitale Patientenakte für den Patienten einsehbar zu gestalten. Zusätzlich ist der Start von zwei weiteren Anwendungen geplant: der elektronische Medikationsplan und das Notfalldatenmanagement (NFDM). Damit wären zum Beispiel wichtige Informationen über die Blutgruppe, bestehenden Impfschutz oder Allergien und Vorerkrankungen im Ernstfall schnell verfügbar. Stroppe kündigte außerdem an, das Verbot der Erstbehandlung über Telemedizin, zumindest mit Blick auf hochspezialisierte Fachärzte, die nicht überall vorhanden sind, auf den Prüfstand zu stellen. Als weitere Schwerpunkte der künftigen Arbeit nannte er die Frage der Nutzung der Routinedaten der gesetzlichen Krankenkassen.

Wirtschaftliches Potenzial 

Der E-Health-Markt boomt: Laut dem Portal „Statista“ beträgt 2018 der Umsatz im E-Health-Bereich in Deutschland etwa 491 Millionen Euro. Fürs Jahr 2020 ist sogar ein Marktvolumen von 662 Millionen Euro prognostiziert. Das entspricht einem jährlichen Umsatzwachstum von 16,1 Prozent. Im weltweiten Vergleich zeigt sich, dass am meisten Umsatz in den USA generiert wird (2,8 Millionen Euro im Jahr 2018). Den zweiten Platz belegt China (1,3 Millionen Euro), direkt dahinter steht Deutschland. 

Status quo & Ausblick

E-Health beschäftigt längst nicht mehr nur die Gesundheitsbranche, auch artfremde Big Player wie Google und Co. drängen in den Markt. Apple hat zum Beispiel Anfang des Jahres seine Gesundheits-App erweitert. Das neue Betriebssystem „iOS 11.3“, das im Frühjahr auf allen Smartphones und Tablets verfügbar sein wird, beinhaltet eine Funktion namens „Health Records“, die Bestandteil der bereits existierenden Health-App von Apple sein wird. Dort werden alle „verfügbaren medizinischen Datensätze“ eines Nutzers zusammengebracht, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Was das bedeutet? Patienten teilnehmender medizinischer Einrichtungen können Informationen aus verschiedenen Institutionen in einer Übersicht einsehen und erhalten regelmäßige Benachrichtigungen über ihre Laborergebnisse, Medikationen, ihren Gesundheitszustand und vieles mehr, schreibt Apple. Das 2015 vom Bundestag verabschiedete E-Health-Gesetz sieht im Übrigen bereits vor, was Apple derzeit plant: die Digitalisierung und Bündelung von Patientendaten in einem einheitlichen System. Jedoch hält die gematik aus Datenschutzgründen wenig von Gesundheits-Apps und favorisiert die elektronische Gesundheitskarte.

Welche konkreten Anwendungen im E-Health-Bereich zu finden sind? Das erfahren Sie im zweiten Teil unserer E-Health-Serie in zwei Wochen – hier bei Talking Future. Dann dreht sich alles um Activity Tracker, Online-Apotheken, die elektronische Gesundheitskarte und darum, welche Prozesse durch E-Health konkret modernisiert werden.