"WIR MÜSSEN DIE SCHNITTSTELLEN VERBESSERN"

„Wir müssen die Schnittstellen verbessern“
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Der Techniksoziologe Ortwin Renn plädiert dafür, dass Menschen und automatische Maschinen stärker aufeinander zugehen. Und glaubt, dass wir uns vor der Automatisierung nicht fürchten müssen, sondern von ihr profitieren. Von einer Ausnahme abgesehen.

TA Triumph-Adler: Herr Renn, Automatisierung wird zurzeit wieder kontrovers diskutiert. Manche fürchten, Algorithmen und intelligente Roboter werden uns bald die Jobs wegnehmen. Eine berechtige Sorge?

Ortwin Renn: Nein, es kommen ja neue Jobs. Es wird immer Verlierer dieser Entwicklungen geben, aber eben auch sehr viele Gewinner. Langfristig schaffen wir durch Autonomisierung und Digitalisierung mehr Jobs als wir verlieren. Auch weil die Menschen mehr konsumieren.

Wie hat sich unser Arbeitsalltag bereits verändert?

Es ist eher eine Evolution als eine Revolution. In vielen Unternehmen gibt es zum Beispiel bereits automatisierte E-Mail-Systeme, die Mails den richtigen Adressaten zuordnen, auch wenn sie nicht direkt an diese geschickt wurden. Durch so etwas können wir mehr Nachrichten verarbeiten und den Umsatz des Unternehmens erhöhen. Ähnliche Systeme setzen sich überall durch, wo wir Standardroutinen einsetzen können.

Verlieren wir damit nicht die Hoheit über unsere Entscheidungen?

Ein wichtiger Punkt. Besonders knifflig wird das bei „hybriden“ Systemen, etwa bei Autos, die teilweise autonom fahren. Solange das Auto sich selbst fährt, kann ich mich zurücklehnen. Versagt aber die Maschine und ich muss eingreifen, dann ist es schwierig, sofort bereit zu sein und die Gefahr richtig einzuschätzen.

Müssen wir Maschinen und Algorithmen besser kennenlernen oder müssen sie sich besser an uns anpassen?

Beides! Wir müssen uns viel mehr mit der Schnittstelle Mensch-Maschine beschäftigen. Das per Versuch und Irrtum auszutarieren, ist teuer. Besser wäre, sich vorher Gedanken darüber zu machen. Wir Menschen brauchen eine Kommunikation, die uns Zeit zur Reaktion gibt und uns nicht mit Informationen überschüttet. Da hinken wir noch hinterher.

Es gibt auch Wirtschaftsbereiche, in denen es auf persönliche Betreuung ankommt …

Automatisierung wird sich dort durchsetzen, wo eine direkte Ansprache nicht zwingend nötig ist. In der Gastronomie in der Küche, wo der Gast es nicht sieht, zum Beispiel. Warum sollte die Suppe nicht weitgehend automatisch überwacht werden?

Welche Bereiche sind noch betroffen?

Im Gesundheitswesen gibt es etwa in Japan schon viele Roboter. Auch die Dosierung der Medikamente und ähnliche Aufgaben kann man automatisieren. Wie weit wir da gehen, hängt vom Kostendruck ab. Aber die Krankenschwester wird ihren Job sicher nicht verlieren.

Wie kann ich entscheiden, ob es sinnvoll ist, etwas zu automatisieren?

Wir sehen bei Service-Hotlines mit Sprachcomputern, die häufig Frustration auslösen, dass wir manchmal schon an die Grenze kommen. Und dass es mit menschlichen Ansprechpartnern manchmal besser funktioniert.